Werkbank · Artikel · 31. August 2026

Vibe Coding, einfach erklärt

Sie beschreiben in normalen Sätzen, was Sie brauchen, und eine KI schreibt den Programmcode. So entsteht beim Bautag jedes Werkzeug.

Beim Vibe Coding beschreiben Sie in normalen Sätzen, was Ihr Programm tun soll, und eine KI schreibt den Programmcode dazu. Sie probieren das Ergebnis aus, sagen, was noch fehlt, und die Maschine bessert nach. So entsteht in Stunden ein Werkzeug, das genau zu Ihrem Betrieb passt.

Beim Bautag arbeiten wir den ganzen Tag auf diese Weise. Jeder Teilnehmer bringt ein Ärgernis aus dem eigenen Betrieb mit und baut daraus bis zum Abend ein laufendes Werkzeug.

Woher kommt der Begriff?

Der Informatiker Andrej Karpathy, früher KI-Chef bei Tesla, hat Vibe Coding im Februar 2025 in einem Beitrag auf X beschrieben. Gemeint war eine Arbeitsweise, bei der man beim Bauen „forget that the code even exists“, also vergisst, dass der Programmcode überhaupt existiert. Das Wörterbuch Collins hat Vibe Coding im November 2025 zum Wort des Jahres gekürt.

Wie läuft das ab?

Sie öffnen eine Chat-KI wie Claude oder ChatGPT und beschreiben Ihr Vorhaben so, wie Sie es einem Handwerker beschreiben würden. Was reingeht und was am Ende rauskommen soll. Die KI baut daraus einen ersten Entwurf, oft in wenigen Minuten.

Der erste Entwurf ist selten fertig. Also probieren Sie ihn aus und beschreiben die nächste Änderung, wieder in normalen Sätzen. Nach einigen Runden steht ein Programm, das Ihren Ablauf abbildet. Der Bauherr sind Sie. Sie entscheiden, was gebaut wird, und Sie prüfen das Ergebnis. Programmieren müssen Sie dafür nicht können.

Was bauen Sie damit als Erstes?

Am besten etwas Kleines aus dem eigenen Alltag. Ein guter Kandidat ist jeder Ablauf, der Sie jede Woche Zeit kostet und den Sie einem neuen Mitarbeiter in fünf Minuten erklären können. Wir selbst arbeiten so mit einer Tagesübersicht, die sich jeden Morgen von allein zusammenbaut, und mit dem Rechnungsbau, der aus einer geprüften Vorlage fertige PDF-Rechnungen macht. Beide sehen Sie bei den Beispielen aus unserem eigenen Betrieb.

Welche Werkzeuge brauchen Sie dafür?

Für den Anfang reicht ein Konto bei einer Chat-KI. Claude und ChatGPT können beide aus einer Beschreibung kleine Programme bauen und direkt im Chat laufen lassen. Baukästen wie Lovable oder Replit gehen einen Schritt weiter und stellen das Ergebnis gleich als fertige Anwendung ins Netz. Editoren wie Cursor richten sich an alle, die tiefer einsteigen und den Programmcode selbst in der Hand behalten wollen. Für Ihr erstes Werkzeug reicht meist die Chat-KI, die Sie ohnehin schon nutzen.

Wo sind die Grenzen?

Ein paar Grenzen sollten Sie kennen, bevor Ihr erstes Werkzeug in den Betrieb geht. Programmcode, den niemand im Haus versteht, ist schwer zu warten. Deshalb gehört zu jedem Werkzeug eine kurze Beschreibung, was es tut und wo es läuft. Sobald Kundendaten im Spiel sind, braucht es einen Blick auf den Datenschutz. Und ein Helfer für den eigenen Schreibtisch ist etwas anderes als Software für 200 Arbeitsplätze, das Zweite ist ein eigenes Projekt mit eigenem Zeitplan. Die Regeln, nach denen wir beim Bautag bauen, stehen in der Bauordnung.

Brauchen Sie Vorkenntnisse?

Nein. Die wichtigste Vorarbeit ist ein klarer Blick auf den eigenen Ablauf. Wer sauber beschreiben kann, was reingeht und was rauskommen soll, hat die wichtigste Fähigkeit schon. Deutsch reicht als Sprache aus. Beim Bautag rechnen wir mit Teilnehmern ohne jede Programmiererfahrung, der Tag ist genau dafür gebaut.

Ihr erster Schritt heute

Nehmen Sie sich 10 Minuten und ein leeres Blatt. Schreiben Sie das eine Ärgernis auf, das Sie im Betrieb jede Woche am meisten Zeit kostet. Beschreiben Sie in fünf Sätzen, wie der Ablauf heute aussieht und wie er aussehen soll. Dieser Text ist Ihr erster Bauplan. Sie können ihn noch heute Abend einer Chat-KI geben und schauen, was sie daraus macht. Und wenn Sie beim Bauen lieber jemanden neben sich haben, bringen Sie genau diesen Zettel mit zum Bautag.

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